…oder Kampfeinsatz, oder wie man auch immer den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nennen möchte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Afghanen den Begriff Krieg – oder Bürgerkrieg – bevorzugen würden. Sicher sagen kann ich das allerdings auch nicht.
In all der Diskussion über einen Luftschlag der Nato, der durch den Bundeswehr-Oberst Klein befohlen worden war, scheint es mir immer mehr so, als hätten die Menschen in Europa in den vergangenen 64 Jahren vergessen, was Krieg eigentlich bedeutet: Den Einsatz von Waffen. Mitunter auch gegen Menschen. Nein, ich möchte hier weder Krieg verherrlichen, noch zu Gewalt oder ähnlichem aufrufen. Aber wer seine Soldaten in einen Kampfeinsatz schickt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese auch von ihren Waffen Gebrauch machen könnten. Und so schlimm das auch klingen mag: Dabei kann es zu zivilen Opfern kommen. Die Betonung liegt auf “kann” – nach Möglichkeit ist das zu vermeiden, aber es ist nie ganz auszuschließen. Leider. Beides sollten wir aus den letzten großen Kriegen in Europa gelernt haben.
Sicherlich hat Oberst Klein in der Befehlskette Fehler gemacht und mit dem Befehl seine Kompetenzen überschritten. Abschliessend beurteilen kann und will ich das nicht. Dazu fehlen mir a) Fakten und b) die nötige Kompetenz. Aber mir stellt sich doch die Frage, inwiefern Zivilisten, die sich mitten in der Nacht an einem Tankwagen zu schaffen machen – zusammen mit den Taliban – als komplett unschuldig dargestellt werden. Und was zur Hölle machen eigentlich Kinder und Jugendliche mitten in der Nacht an zwei Tanklastern der Taliban? Wer im zweiten Weltkrieg seine Wohnung nicht verdunkelte, durfte sich auch nicht wundern, wenn das Haus von einer Bombe getroffen wurde. Ja, ich weiß, es geht um Menschenleben und ja, ich weiß auch, dass jedes Leben wertvoll ist und geschützt werden muss. Dennoch verstehe ich nicht, wie man sich so deutlich der Gefahr aussetzen kann und dann auch noch über die Konsequenz jammert. Ich lege mich auch nicht auf die Schienen und wundere mich dann, dass ein Zug kommt.
Ganz grundsätzlich tut sich dabei aber ein ganz anderes Problem auf: Die ISAF vor Ort wird auch von den dortigen Kräften nicht ernst genommen. Zudem fehlt den deutschen Streitkräften in Afghanistan a) die Rechtssicherheit ihres Mandates und Einsatzes sowie b) die Unterstützung der Heimat – sowohl durch Bevölkerung, als auch durch die Politik. Wenn man sich dazu entschließt in den Krieg zu ziehen, dann muss man sich über die Konsequenzen im Klaren sein – oder es am Besten gleich sein lassen. Bleibt bis zur endgültigen Klärung des Falles nur eins: Besser die Waffe zu Hause lassen, liebe Soldaten – es könnte Ärger geben, wenn ihr schießt.
Nachtrag:
Man mag von der Bild-Zeitung halten, was man mag, aber heute (14.12.2009) hat sie einen durchaus brauchbaren Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.
Vielmehr geht es um die moralische Frage, ob wir als Land wollen, dass ein deutscher Oberst gezielt auf Menschen schießen lässt. Die Empörung darüber, dass so etwas im Krieg nun mal passiert, zeigt vor allem, wie wenig wir über diesen Krieg gewusst haben. Und wie wenig wir wissen wollten über die Menschen, die diesen Krieg führen müssen – mit all seinen tragischen Entscheidungen.
Ein Reporter der „New York Times“ schrieb vor Kurzem eine große Geschichte über die Deutschen und ihre Soldaten.
„Oft habe ich am Berliner Hauptbahnhof die traurigen, verlorenen Soldaten gesehen, von der Menge getrennt durch ihre Uniform. Nie blieb jemand stehen, um ihnen für ihren Dienst zu danken oder sie gar zu fragen, ob sie in Afghanistan gewesen sind“, schrieb der „New York Times“-Journalist. „Manchmal wurden die Soldaten sogar feindselig angesehen, während die meisten Menschen einfach so taten, als wären sie gar nicht da.“
Was ist das für ein Land, das seine Soldaten in einen Krieg schickt, für unser aller Sicherheit angeblich, aber diese Männer und Frauen am Bahnhof verächtlich anschaut?
Quelle: Bild.de